Navro’z – kulturelles Erbe Erleben

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Navro’z ist das Neujahrs- und Frühlingsfest, das von über 300 Millionen Menschen entlang der Seidenstraße begangen wird. Es gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und markiert seit über 3.000 Jahren den Neubeginn, die Tag-und-Nacht-Gleiche – den Moment, in dem Natur und Gemeinschaft gleichermaßen erwachen. Im Humboldt Forum kamen Kulturen aus Zentralasien, dem Iran, Afghanistan und kurdischen Regionen zusammen und präsentierten ihre Perspektiven auf dieses gemeinsame Erbe. Navro’z wurde erfahrbar gemacht: Zwischen Musik, Bewegung und Begegnung.

Der Auftakt setzte ein klares Zeichen: Die kraftvollen Klänge von Karnay und Surnay öffneten den Raum – akustisch wie atmosphärisch.

Karnay und Surnay als akkustisches Highlight eröffneten den Raum

Highlights unseres Programms

Auf der Bühne verbanden sich traditionelle Tänze, Gesang und musikalische Virtuosität zu einem vielschichtigen Bild usbekischer Kultur. Renommierte Künstlerinnen wie die Tanzmeisterin Malika Khaidarova oder die Sängerin Dilfuza Qobilova standen dabei nicht nur für künstlerische Exzellenz, sondern für gelebte Tradition.

Beim Konzert der Sängerin Dilfuza Qobilova mit ihrem Ensembles „Milliy Meros“ der staatlich usbekischen Philharmonie wurde traditionelle usbekische Volksmusik zu Navro’z live dargeboten. Alle auftretenden Künstler sind Mitglieder der Oʻzbekiston Davlat Filarmoniyasi (Staatliche Philharmonie der Republik Usbekistan) – der zentralen staatlichen Konzertinstitution des Landes. Sie repräsentieren Usbekistan regelmäßig bei offiziellen Staatsveranstaltungen sowie bei internationalen Kulturfestivals.

Auftritt des Ensembles Milliy Meros unter der Leitung von Dilfuza Qobilova

Die usbekische Musiktradition ist geprägt von jahrhundertealten höfischen und volkstümlichen Strömungen. Instrumente wie Karnay und Surnay sind eng mit öffentlichen Feierlichkeiten verbunden, während der Maqom-Gesang zu den anspruchsvollsten Formen klassischer Musik Zentralasiens zählt. Das Konzert bietet daher nicht nur musikalische Darbietungen, sondern eine Begegnung mit kultureller Identität, historischer Kontinuität und zeitgenössischer Interpretation traditioneller Kunstformen. Das Publikum hatte so die Möglichkeit, den musikalischen Teil des kulturellen Erbes Usbekistan zu erleben und neben dem Gesang auch den Klängen traditioneller Instrumente Karnay, Surnay und Doira zu lauschen.

Ein klares Highlight war auch der Tanzworkshop mit Malika Khaidarova – Dozentin und Meisterin des Ethno-Tanzes. Bei dem Workshop konnten die Teilnehmer*innen selbst die Magie traditioneller usbekischer Tänze erfahren und somit einen Teil der usbekischen Traditionen zu Navro’z erleben. Der traditionell von Frauen und Mädchen getanzte Fergana-Stil stand im Zentrum dieses Workshops. Die weiche Eleganz und innere Präsenz dieses Tanzes repräsentiert eine würdige, kraftvolle und feinsinnige Form der Weiblichkeit. Nebenden Grundlagen des traditionellen Fergana-Stils erhielten die Teilnehmerinnen auch einen EInblick in die traditionelle musikalische Struktur und zeitgenössische Interpretationen des usbekischen Tanzes.

Die Stimmung des Frühlingsfestes wurde zusätzlich durch umfassende musikalische, spielerische und tänzerische Einlagen zu den usbekischen Traditionen des Navro’z auf der Bühne im Foyer untermauert.

Doch das Erleben usbekischer Traditionen ging über das Bühnenprogramm hinaus: Kinder bastelten Drachen, Mädchen flochten Zöpfe, Familien gestalteten Blumenkränze. 

Zudem gab es ein umfassendes Workshop-Programm für Familien. Der Workshop „40 Zöpfe“ (qirq kokil) vermittelt eine traditionsreiche usbekische Haarflechtkunst mit tief verwurzelter symbolischer Bedeutung. Das Flechten zahlreicher feiner Zöpfe unter Einarbeitung eines speziellen Flechtbandes, des „Jamalak“, ist in Usbekistan seit Jahrhunderten verbreitet. Es gilt als Ausdruck von Schönheit, Weiblichkeit und kultureller Identität. Das Flechten war zudem ein sozialer Akt: Mütter, Großmütter und Töchter kamen hier zusammen. So wurde Wissen über Generationen hinweg weitergegeben – verbunden mit Fürsorge, Wärme und familiärer Nähe. Die gemeinsame Vorbereitung stärkte den familiären Zusammenhalt und festigte kulturelle Werte.

Drachenbauworkshop

Weiterhin präsentierten wir einen interkulturellen Familienworkshop zur Gestaltung traditioneller usbekischer Drachen – dem Varrak. Besonders zu Navro’z wird das Steigenlassen der Drachen zu einem generationsübergreifenden Ritual: Kinder gestalten ihre Drachen eigenständig oder gemeinsam mit Eltern und Großeltern. Unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund entsteht ein gemeinschaftlicher Moment, der Menschen verbindet und das Erwachen der Natur feiert.

In einem weiteren Familienworkshop wurden Blumenkränze „Gulchambar“ geflochten, eine lebendige, gemeinschaftliche Tradition. Das Flechten solcher Kränze aus verschiedenen Blumen steht sinnbildlichfür das Erwachen der Natur und die Freude über den kommenden Frühling.

Begleitend wurde zudem ein kulinarisches Programm und ein Bazar geboten. Neben den Highlights der erlebbaren Kultur zu Navro’z lud der Duft von Plov und frisch gebackenen Samsa zum Probieren der traditionellen Speisen ein. Ein Basar sorgfältig ausgewählte traditionelle Handwerkskunst sichtbar, erlebbar und für Besucher erwerbbar machte.

Hier wurde Kultur angeeignet, ausprobiert und weitergetragen. Diese Beiträge waren Teil eines kuratierten Gesamtprogramms, das San’at e.V. im Vorfeld konzipiert hatte. Die interne Planung zeigt, wie bewusst einzelne Elemente – Musik, Tanz, Workshops und audiovisuelle Inhalte – miteinander verzahnt wurden, um ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen.

Kulturelle Brückenbauer und Modell für die Zukunft

Was diesen Tag besonders machte, waren neben den einzelnen Programmpunkten die Art der Präsentation als gelebte Praxis im Raum:. Gespräche entstanden beiläufig – zwischen Generationen, Kulturen und Hintergründen. Kinder erklärten ihren Eltern das eben Gelernte, Besucher:innen blieben länger als geplant, weil sich immer neue Perspektiven eröffneten. Das Fest wurde zu einem sozialen Raum: offen, durchlässig, einladend. Ein Moment, in dem aus Publikum Beteiligte wurden.

Im Zentrum dieser Entwicklung stand unser Verein und unsere Gründerin Zukhra Rakhmatova als Kuratorin eines kulturellen Dialogs. Ihr Ansatz: Kultur nicht isoliert zu präsentieren, sondern als verbindendes Element zu denken – zwischen Ländern, Institutionen und Menschen. In der Zusammenarbeit mit dem Humboldt Forum und sechs weiteren Vereinen entstand so ein Format, das über den einzelnen Tag hinausweist.

Was bleibt, ist mehr als die Erinnerung an einen gut besuchten Tag. Das Navro’z-Fest zeigt, welches Potenzial in Formaten liegt, die nicht nur präsentieren, sondern involvieren. In einer Zeit, in der kultureller Austausch oft abstrakt bleibt, bietet dieses Modell eine konkrete Antwort: Begegnung entsteht dort, wo Menschen aktiv teilnehmen.Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieses Tages – als leiser Hinweis darauf, wie kultureller Dialog in europäischen Städten künftig aussehen kann.

Vorsitzende Zukhra Rakhmatova mit Gästen beim Navro’zfest

Tänzer mit unserer Vorsitzenden Zukhra Rakhmatova beim Navro’zfest

Unser Vorstand Zukhra Rakhmatova und Richard Pohl beim Navro’zfest

Vorsitzende Zukhra Rakhmatova mit Teammitgliedern beim Navro’zfest

Kindertanzgruppe des Vereins beim Navro’zfest

Unser Team nach dem Navro’zfest

Weiterführende Informationen

Seite des Humboldt-Forums