Ort: Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin
Datum: 18.02.2026
Anlass: 585. Jubiläum von Alisher Navoi und des 543. Geburtstages von Zahiriddin Muhammad Bobur
Kuratorin: Zukhra Rakhmatova
Künstler: Avazbek Qodirov, Zilola Sulaymonova, Shohrux Butayev, Sabrina Jonibekova, Olim Omonov, Ibrat Fayzullaev
Die Ausstellung „Ein Vermächtnis über Jahrhunderte hinweg – Die usbekische Miniaturkunst“ von San’at – Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft e.V. anlässlich des 585. Jubiläums von Alisher Navoi und des 543. Geburtstages von Zahiriddin Muhammad Bobur präsentiert zeitgenössische Positionen der Miniaturmalerei aus Usbekistan und untersucht deren Verwurzelung in einer jahrhundertealten Bild- und Literaturtradition Zentralasiens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich eine klassische Kunstform im Spannungsfeld von historischer Überlieferung und gegenwärtiger künstlerischer Praxis neu definiert.
Ausgangspunkt der Ausstellung bildet das literarische Erbe von Alisher Navoi und Zahiriddin Muhammad Babur, deren Werke seit dem 15. Jahrhundert zu den wichtigsten Quellen der Miniaturmalerei in Zentralasien zählen. Ihre Dichtung prägte nicht nur die literarische Kultur der Region, sondern auch eine reiche visuelle Bildsprache, in der Ethik, Spiritualität, Natur und gesellschaftliches Leben miteinander verwoben sind.
Ein zentraler Teil der Ausstellung widmet sich zeitgenössischen Miniaturen, die von Szenen aus der Chamsa Navoi inspiriert sind – einem der bedeutendsten poetischen Zyklen der Turksprachen und damit Ursprung der usbekischen Literaturtradition. Diese Werke knüpfen an die historische Praxis der Kalligraphie an und übertragen ihre narrative Bildlogik in die Gegenwart.
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Miniaturen mit Darstellungen von traditionellen Teehäusern, Basaren, Musik und sozialen Begegnungen. Die Motive visualisieren gesellschaftliche Strukturen und kollektive Erfahrungsräume. Sie machen sichtbar, wie sich die kulturelle Identität des usbekischen Volkes in Bildern formt und bewahrt.

Zeitgenössische Miniaturkunst aus Usbekistan

Zukhra Rakhmatova bei ihrer Eröffnungsrede
Botschafter Dilshod Akhatov bei der Eröffnung der Ausstellung
Die Miniaturmalerei hatte ihre Blütezeit vom 14. bis 16. Jahrhundert, insbesondere während der Timuridenzeit. Sie entwickelte eine eigenständige Bildsprache in einer flachen Perspektive ohne Schatten und Tiefe, jenseits westlicher Perspektivsysteme. Raum, Zeit und Handlung erscheinen nicht illusionistisch, sondern simultan und symbolisch organisiert. Farbe, Ornament und Komposition dienen nicht der naturalistischen Abbildung, sondern der Vermittlung geistiger Inhalte, narrativer Verdichtung und ästhetischer Ordnung.
Die präsentierten Werke sind Arbeiten von Lehrenden und Absolventen zweier zentraler Ausbildungsstätten der usbekischen Miniaturkunst: der Abteilung „Miniatur und Buchgrafik“ des Nationalinstituts für Kunst und Design, benannt nach Kamoliddin Behzod, sowie der Republik-Spezialkunstschule für Lackminiatur, benannt nach Pavel Benkov, trägt. Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler verdeutlicht die Weitergabe künstlerischer Prinzipien über Generationen hinweg und zeigt zugleich individuelle zeitgenössische Handschriften innerhalb einer gemeinsamen Tradition.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Miniaturmalerei nicht nur als historisches Artefakt, sondern auch als lebendige visuelle Sprache zu entdecken – als Kunstform, die Literatur, Geschichte und Gegenwart in einem verdichteten Bildraum miteinander verbindet.